Computer Vision Syndrom – Wenn Bildschirmarbeit krank macht

gesund_logoTrockene, schmerzende Augen, verschwommene Sicht, Kopfschmerzen, Benommenheit oder Schwindelgefühl bis hin zu Übelkeit? – Wenn Sie beim Arbeiten am Computer solche Symptome an sich feststellen, leiden Sie vermutlich am Computer Vision Syndrom (CVS).

Für viele Menschen gehört die Arbeit vorm Computermonitor heutzutage zum Alltag. Und wenn man nach einem besonders langen Tag mal einen dicken Kopf hat und die Augen schmerzen, verbucht man das leicht unter Überanstrengung und macht sich nicht weiter Gedanken darüber. Wenn man aber praktisch täglich mit Augenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel und Übelkeit zu kämpfen hat, kann man diese Probleme nicht mehr so einfach abtun. Schwierig wird es vor allem, wenn man augrund dieser Beschwerden kaum noch richtig arbeiten kann. Sicher sind das extreme Fälle, aber dafür Verständnis bei Kollegen und Vorgesetzten zu finden, ist gerade deshalb umso schwieriger.

Dabei hat man die Quelle des Übels meist buchstäblich vor Augen. Obwohl man sich bei der Bildschirmarbeit wenig bewegt, ist sie trotzdem anstrengend. Es sind eben die Augen und der Kopf, teilweise auch Nacken und Rücken sowie Hand- und Handgelenke, die hierbei besonders gefordert sind. Manche kommen mit diesen Anforderungen besser zurecht und passen sich vielleicht auch instinktiv daran an. Anderen gelingt das weniger gut und sie bekommen die Folgen zu spüren. Mediziner haben dafür mittlerweile auch schon einen Namen: Computer Vision Syndrom (kurz CVS). Es umfasst eine ganze Reihe von Symptomen, die einzeln oder auch in Kombination auftreten können.

  • Augensymptome
    Rötung, Brennen, Jucken, Schmerzen, Trockenheit, ständiges Tränen, Augenmüdigkeit, Lichtempfindlichkeit, Beschwerden beim Tragen von Kontaktlinsen
  • Wahrnehmungssymptome
    verschwommene Sicht, Schwierigkeiten beim Fokussieren, Geister- oder Doppelbilder, Flackern oder Flimmern, schwankende Wahrnehmung von Helligkeit und Farbe
  • Allgemeine Symptome
    Kopfschmerzen, Spannung oder Schmerzen in Nacken oder Schulter, Rückenschmerzen, Schmerzen in Armen und Handgelenken, ausgeprägte Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, vorübergehende Verwirrtheit

Wodurch wird das Computer Vision Syndrom verursacht?

F6Wie bereits beschrieben, ist das Arbeiten am PC für Augen und Kopf, aber auch für Nacken, Rücken und Arme anstrengend. Es lohnt sich aber, etwas genauer hinzuschauen, um die Probleme besser verstehen zu können. Schlüssel für die Anstrengung der Augen ist beispielsweise die Bildschirmauflösung, die bei einem Monitor viel geringer ist als bei einem auf Papier gedruckten Text. Buchstaben sind aus weniger Bildpunkten zusammengesetzt und haben eine geringere Kantenschärfe. Dadurch ist es für die Augen anstrengender, den Text dauerhaft zu fokussieren. Viele Monitore haben eine glänzende Oberfläche, die Licht und Objekte hinter dem Benutzer auf dem Bildschirm reflektiert, was das Fokussieren noch schwieriger macht. Hinzu kommt, dass viele Arbeitsplätze im Grunde genommen zu hell für die Bildschirmarbeit sind.

Der Inhalt des Bildschirms wird ständig aufgefrischt (Bildwiederholfrequenz), was das menschliche Auge zumindest unbewusst registriert. Bei Monitoren mit Bildröhre war das früher ein weit verbreitetes Problem, da es dort noch stärker wahrnehmbar war. Bei modernen LCD-Flachbildschirmen ist es wesentlich reduziert, aber es gibt noch immer Benutzer, die dafür empfindlich sind. Erschwerend kommt für die Augen hinzu, dass Menschen beim Arbeiten am Bildschirm weniger oft blinzeln. Normalerweise hat man 10 bis 15 Lidschläge pro Minute. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Rate vor einem Monitor auf 5 bis 7 Lidschläge pro Minute absinken kann. Außerdem kommt es dabei häufig zu unvollständigen Lidschlägen, bei denen das Lid das Auge nur teilweise oder zu kurz bedeckt. Dies führt zu trockenen, gerötete und irritierten Augen und kann Augenschmerzen und verschwommene Wahrnehmung auslösen.

Die Arbeit an einem PC zwingt Menschen dazu, längere Zeit in einer bestimmten Position zu verharren. Je nach dem, wie diese Position gewählt ist, kann sie Gelenke in Hals, Rücken, Schultern und Armen belasten, was zu Steifheit und Schmerzen führen kann. Auch Durchblutungsstörungen können die unangenehme Folge sein und sollte stets als Warnsignal für eine schlechte Haltung gesehen werden. Besonders problematisch wird es, wenn man durch Augenprobleme gezwungen ist, möglichst dicht vor dem Monitor zu sitzen, was wiederum zu einer ungesunden Haltung führt.

Was kann man gegen das Computer Vision Syndrom tun?

Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, mit denen man den Ursachen von CVS begegnen und dadurch auch die Symptome lindern oder ganz eliminieren kann.

Lassen Sie sich ärztlich untersuchen

Wenn Sie regelmäßig in Folge von Bildschirmarbeit an Beschwerden aus dem CVS-Spektrum leiden, sollten Sie sich in jedem Fall ärztlich untersuchen lassen. Das ist alleine schon sinnvoll, um andere Ursachen auszuschließen. Außerdem kann nur ein Arzt Ihnen für Ihren speziellen Fall optimalen Maßnahmen empfehlen und diese ggf. auch therapeutisch begleiten. Auch wenn Sie keine akuten Augenbeschwerden haben, kann ein Besuch beim Augenarzt nicht schaden. Für alle Menschen, die regelmäßig drei oder mehr Stunden täglich am Bildschirm arbeiten, wird eine jährliche Vorsorgeuntersuchung der Augen empfohlen.

Optimieren Sie Ihren Arbeitsplatz

Viele unterschätzen die Auswirkung, die ein unergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz auf die Gesundheit haben kann. Von ergonomischen Sitzmöbeln haben viele schon mal gehört. Wichtiger aber ist die optimale Anordnung des Monitors, nicht nur für die Augen sondern auch für die Körperhaltung und damit vor allem Rücken und Nacken:

  • Positionieren Sie – wenn möglich – den Monitor parallel zu Fenstern und Beleuchtung im Raum. Lichtquellen sollten sich seitlich vom Monitor befinden, nicht davor oder dahinter.
  • Der Bildschirm sollte zentral im Blickfeld stehen, so dass Sie ihn ohne Hals oder Augen zu verdrehen, sehen können.
  • Er sollte ungefähr 60 – 70 cm von Ihren Augen entfernt sein. Die Höhe sollte so gewählt werden, dass sich die oberste Zeile knapp unterhalb Ihrer Augen befindet.
  • Kippen Sie den Bildschirm dann so, dass die obere Kante genauso weit von Ihren Augen entfernt ist wie die untere.
  • Wenn Sie mehr als einen Monitor verwenden, sollten diese sich direkt nebeneinander befinden. Idealerweise verwenden Sie dabei Geräte vom gleichen Typ und stellen sie so dicht wie möglich aneinander. Verwenden Sie dann identischen Bildeinstellungen für beide. Ist eines der Hauptmonitor, stellen Sie diesen ins Zentrum und den anderen daneben.
  • Wenn Sie häufig mit Papierunterlage arbeiten, verwenden Sie einen Dokumenthalter, mit dem Sie die Papiere direkt neben dem Monitor platzieren können.
  • Minimieren Sie Reflektionen auf der Bildschirmoberfläche. Dies kann durch Drehen des Monitors (und des gesamten Arbeitsplatzes) erfolgen oder durch das Entfernen von Licht- bzw. Reflektionsquellen aus dem Hintergrund. Grundsätzlich empfiehlt sich der Einsatz von Monitoren mit matter Oberfläche, die Reflektionen weitestgehend eliminiert. Bei glänzenden Bildschirmen kann man notfalls mit Antireflektionsfolie nachhelfen.
  • Passen Sie das Umgebungslicht an. Idealerweise sollte sich die Helligkeit des Bildschirms nicht wesentlich von der Umgebungshelligkeit unterscheiden, um den Kontrast für die Augen zu minimieren. Bei vollem Tageslicht müsste die Bildschirmhelligkeit dann allerdings voll aufgedreht werden, was für längeres Arbeiten unangenehm wäre. In der Praxis ist also ein reduziertes Umgebungslicht wünschenswert, das auch eine verringerte Bildschirmhelligkeit erlaubt.

Optimieren Sie Ihren Bildschirm

w7cleart04Der Monitor selbst bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Bildschirmausgabe des PCs zu beeinflussen. Teilweise sind das Einstellungen am Monitor selbst, teilweise sind es Funktionen des Betriebssystems, welche die Bildaufbau und -ausgabe beeinflussen.

  • Stellen Sie Helligkeit und Kontrast des Bildschirms optimal ein. Wie bereits beschrieben sollte die Helligkeit des Bildschirms der Umgebung angepasst werden, so dass die Augen jederzeit ohne Umstellung zwischen Monitor und Umgebung hin und her wechseln können. Der Kontrast steht immer auch im Verhältnis zur gewählten Helligkeit. Hierbei kann man sich aber in der Regel ganz auf sein eigenes Empfinden verlassen, was die Augen als angenehm empfinden.
  • Wählen Sie die Bildschirmauflösung so hoch wie möglich. Je höher die Auflösung, desto feiner die Strukturen und desto schärfer und fokussierbarer ist das Bild. Falls Ihnen die Benutzeroberfläche bei hoher Auflösung zu klein ist, lässt sich dies mit Bordmitteln des Betriebssystems korrigieren. Im Endeffekt sind Texte und Symbole wieder genauso groß, aber feiner aufgelöst.
  • Grundsätzlich bieten aktuelle Betriebssysteme wie Windows die Möglichkeit, den Bildschirminhalt pauschal zur vergrößern oder auch zu verkleinern. Anwendungen, Symbole, Schriften usw. können dabei um einen bestimmten Faktor vergrößert werden. Das klappt zwar nicht immer hundertprozentig in allen Anwendungen, aber zumindest Systemprogramme und viele Standardanwendungen unterstützen diese Funktion.
  • Wählen Sie die passende Bildschirmgröße. Wenn Sie regelmäßig viele Daten im Blick haben müssen – beispielsweise bei umfangreichen Tabellen – können Sie von einem größeren Monitor sehr profitieren. Der kann entweder mehr Daten in derselben Größe oder dieselbe Menge an Daten größer anzeigen. Allerdings hilft viel nicht immer viel. Je größer der Bildschirm, desto größer werden auch die Wege, welche die Augen bei der Arbeit zurücklegen müssen. Die Augenmuskulatur wird als stärker beansprucht und ermüdet schneller.
  • Die meisten aktuellen PCs können mehr als einen Monitor gleichzeitig ansteuern. Das erlaubt es, auf dem Hauptmonitor zu arbeiten und gleichzeitig Informationen auf einem Zweitmonitor anzuzeigen. So erspart man sich den ständigen Wechseln zwischen Anwendungen.

Optimieren Sie Ihre Arbeitsroutine

Auch das eigene Verhalten kann einen großen Einfluss auf die körperlichen Folgen von Bildschirmarbeit haben – im Schlechten wie im Guten. Wer ein paar einfache Tipps und Regeln beherzigt, verhilft seinem Körper, auch lange Arbeitstage möglichst unbeschadet zu überstehen:

  • Zwingen Sie sich dazu, regelmäßig zu blinzelnd. Wie bereits beschrieben, verführt Bildschirmarbeit zu weniger Lidschlägen. Gewöhnen Sie sich deshalb bewusste Lidschläge an. Wenn man beispielsweise einen längeren Text am Monitor liest, kann man bei jedem Seitenwechsel ein oder zweimal bewusst langsam blinzeln.
  • Sollten Sie trotzdem Probleme mit trockenen Augen haben, kann Ihnen Ihr Augenarzt Tropfen empfehlen, um die Augen feucht zu halten.
  • Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßig eine Pause, in der Sie sie bewusst vom Bildschirm wegrichten. Aus dem englischen Sprachraum gibt es die einfach „20-20-20″-Regel. Sie besagt: Richten Sie Ihre Augen alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Objekt in 20 Fuß (ca. 6 Meter) Entfernung. Das ist eine gute Richtlinie. Aber auch eine etwas längere Pause alle halbe Stunde ist ein gutes Konzept. Wichtig dabei ist, die Augen dann auch auf ein entferntes Objekt zu richten, sozusagen als Dehnübung für Augenmuskulatur.
  • Auch dem Rest Ihres Körpers sollten alle 20 bis 30 Minuten eine kurze Bewegungspause gönnen. Dadurch können die Muskeln sich entspannen und die Durchblutung in Gang kommen. Dadurch wird Beschwerden entgegengewirkt, bevor sie sich schmerzhaft manifestieren.
  • Wechseln Sie regelmäßig die Haltung. Oft geht das schon mit den vorhandenen Mitteln. Einen Bürostuhl ohne Lehne kann man beispielsweise zwischendurch mal umdrehen und eine kurze Zeit „verkehrt“ darauf sitzen. Dadurch ändert sich die Köperhaltung, Gelenke und Muskeln werden anders belastet und die Durchblutung ändert sich. Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich höhenverstellbare Schreibtische. Mit Kurbel oder Elektroantrieb kann man die zwischendurch mal hochfahren und eine halbe Stunde im Stehen arbeiten, was für den Körper nach stundenlangem Herumsitzen eine Wohltat ist.

Optimieren Sie Ihre Augen

Wenn die bislang empfohlenen Maßnahmen noch keine Linderung Ihrer Augen- oder Wahrnehmungsprobleme bewirkt haben, sollten Sie spätestens einen Augenarzt aufsuchen. Der wird Ihnen ggf. eine Brille für die Bildschirmarbeit empfehlen, auch wenn Ihre Augen prinzipiell völlig in Ordnung sind. Im Grunde genommen ist das einfach eine Brille mit leichtem Vergrößerungseffekt. Sie macht den Inhalt des Bildschirms für Ihre Augen größer und erleichtert ihnen damit die Arbeit. Mancher kennt dieses Prinzip von der Lesebrille. Letztere sind allerdings auf den typischen Lesebereich ca. 30 cm „vor der Nase“ abgestimmt. Spezielle Bildschirmbrillen hingegen sind für den Sichtbereich um 60 cm optimiert, den man typischerweise bei der Bildschirmarbeit benötigt. Außerdem sind sie beschichtet, um Reflexionen der Brille auf dem Monitor zu vermeiden.

Diskutieren Sie mit!

Ich selbst bin von CVS nicht sehr betroffen. Beruflich bedingt verbringe ich viel Zeit am PC, aber nur nach sehr langen, intensiven Arbeitsstunden habe ich vielleicht mal einen „dicken Kopf“ oder müde Augen. Aber das würde ich dann eben der (zu)vielen Arbeit zuschreiben. Erst durch Fragen von Lesern bin ich auf dieses Phänomen aufmerksam geworden und was für heftigen Auswirkungen es auf manche Menschen haben kann. Daraufhin habe ich mich ausführlicher damit beschäftigt und diesen Artikel verfasst, weil ich vergleichbare, neutrale Informationen in deutscher Sprache dazu vermisst haben. Deshalb würde ich mich über Rückmeldungen von Betroffenen freuen, die vielleicht ihre eigenen Erfahrungen mitteilen möchten und Tipps weitergeben können, welche Maßnahmen ihnen geholfen haben. Gerne würde ich den Artikel dann um entsprechende Informationen ergänzen.

2 Kommentare

  1. span

    Ja, auch ich kenn das. Aber wenn man nicht selbstständig ist, dann kann man sich doch in Deutschland auf die Bildschirmverordnung berufen. Danach darf man doch innerhalb von einer Stunde – 10 Minuten was anderes machen. Also nicht Pause, sondern man muss sich mit etwas anderem beschäftigen – sowas wie Kopien machen oder mal ein direktes Gespräch, als über Skype…

  2. Birgit

    Ich arbeite jeden Tag ca. 7-9 Stunden am PC. Durch eine allergie habe ich öfters Probleme mit dem Augen. Wenn es ganz schlimm wird, stelle ich einen Verdampfer auf. Der positive Effekt ist, dass die Raumluft, in unmittelbarer Nähe zu meinen Monitoren, frischer und gereinigt ist. Zusätzlich habe ich festgestellt, dass sich die Anzahl der Liedschläge sich automatisch erhöht haben. Bei mir hilft es.

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