Windows Mobile 7 ist nicht abwärtskompatibel

Windows MobileJetzt ist die Katze aus dem Sack: Was sich in den letzten Wochen und Monaten bereits angedeutet hat, wurde nun erstmals von Microsoft offiziell bestätigt – Windows Mobile 7 und Windows Phone 7 werden NICHT abwärtskompatibel sein. Die zahlreichen vorhandenen Windows Mobile-Programme lassen sich auf den neuen Geräten also nicht nutzen.


Was bislang an Informationen, Demos und Gerüchten über Windows Mobile 7 bekannt wurde, ließ es bereits erahnen, aber bislang hatte Microsoft sich zu dieser wichtigen Frage nicht offiziell geäußert. Nun aber brach Charlie Kindel, bei Microsoft für die Windows Phone Anwendungsplattform und Entwicklerbetreuung zuständig, in einem Blogbeitrag das Schweigen: Windows Mobile 7 (für Smartphone) und Windows Phone 7 (für „klassische“ Handys) werden keine Software unterstützen, die für ältere Windows Mobile-Versionen bis hin zu Windows Mobile 6.5 entwickelt wurden.

Kindel spricht davon, dass für das Entwickeln der neuen Benutzeroberfläche ein Bruch mit der Vergangenheit notwendig gewesen wäre. Die Art, wie Anwendungen für die neue Plattform entwickelt werden, hätte völlig verändert werden müssen. Deshalb würden alte Anwendungen darauf nicht mehr laufen. Statt dessen würde Anwendungen auf Silverlight (Microsofts Flash-Konkurrent) oder XNA (der Entwicklungsplattform für die Xbox 360 und Microsofts MP3-Player Zune) basieren.

Allerdings werde Microsoft die Hersteller von Geräten auf der Basis von Windows Mobile 6.5 weiterhin unterstützen, auch bei der Entwicklung neuer Produkte und es würde für diese Geräte auch noch Support für viele Jahre („for many years to come“) geben. Ob Hersteller tatsächlich noch neue Windows Mobile 6.5 Geräte entwickeln werden, wenn Windows Mobile 7 erstmal verfügbar ist (voraussichtlich im Herbst 2010), bleibt abzuwarten. Ankündigungen in dieser Richtung gibt es bislang noch nicht.

Nachahmer statt riesiges Software-Ökosystem – ein Erfolgsrezept?

Dieser Schritt von Microsoft war vorsehbar, ist aber trotzdem bedauerlich. Sicherlich war Windows Mobile im Vergleich mit iPhone undAndroid deutlich in die Jahre gekommen. Und auch die neueste Version 6.5 bügelte dies nur auf der Oberfläche aus. Aber gerade Hersteller wie HTC zeigten mit ihren selbstgestrickten Oberflächen, dass durchaus noch Potenzial vorhanden war. Zugleich ist das riesige Software-Ökosystem von Windows Mobile schon lange der wesentliche Faktor, dass Microsoft in diesem Segment überhaupt noch nennenswerte Marktanteile behalten konnte. Ob es klug ist, dies nun einfach aufzugeben, scheint mir fraglich, denn ich halte diese Vielfalt für einen klaren Wettbewerbsvorteil.

So wird Windows Mobile 7 ein klassisches „Me too“-Produkt werden, das mit iPhone, Android & Co. konkurriert, ohne echte Vorteile zu bieten. Und nicht wenige alteingesessene Windows Mobile-Nutzer, die nun einen kompletten Wechsel ohne ihre gewohnten Programme vollziehen sollen, werden sich (nicht ganz zu Unrecht) fragen, ob sie dann nicht auch gleich die Plattform wechseln sollten. Denn bis Windows Mobile 7 an das Angebot im iPhone-App Store heranreichen wird – ganz zu schweigen von der Softwarevielfalt beim eigenen Vorgänger – dürfte noch viel Zeit vergehen.

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